Donnerstag, 4. Februar 2016

Everybody OMMM


Yoga.
Und die ersten Synapsen winden sich und schalten ab.

Langweilig.
Nur für Eso-Tanten.
Voll die Spinnerei.
Für alle, die kein Bock auf echtes Training haben.

Das sind nur einige Dinge, die man sich anhören muss, wenn man sagt: Yep - ich mach Yoga.

Ich kann es verstehen.

Man denkt an zusammengeknotete Knochen und Menschen mit geschlossenen Augen, die den Sinn des Lebens suchen.....mit verklärtem Gesichtsausdruck und dem ewigem Frieden in sich.

Tja - ich habe es so weit nie gebracht.
In mir ist selten Frieden. Ständig schnabbelt eine Stimme in meinem Kopf - wenn ich Pech habe, auch zwei oder drei.
Ich habe es nie geschafft, diese totale Leere in mir herzustellen. Ich glaube aber, dass ich dieses Ziel auch gar nicht habe.
Vielmehr finde ich es spannend, mir dieses Geplapper in mir mal in einer Seelenruhe anzuhören.

Welch ein Müll sich da durch die Hirnwindungen quetscht!
Wieviel Raum da frei würde, wenn man das alles ausmisten könnte!
Beängstigend, welch ein Potential zum Vorschein käme!
Wahrscheinlich wäre ich um so einiges cleverer, wenn ich all das nutzen könnte.
Shit happens - offensichtlich nicht meine Spielwiese.
Ich lausche fasziniert weiter.

Und werde mir bewusst, was mich so bewegt und treibt, was mich bremst und mich verunsichert, was mich glücklich macht und was ich vielleicht ändern sollte in meinem Leben.
Ich habe oft eine gute Idee beim Yoga. Plötzlich weiß ich wieder, in welche Richtung ich laufen sollte, wie mein beruflicher Weg aussehen wird, welche Menschen ich aus meinem Leben kicken muss und wer mir gut tut.
Weil ich endlich mal die Ruhe dafür habe.

Das ist meine persönliche Erleuchtung. Alles andere als leer - aber produktiv und für mich ein absolutes Sahnehäubchen in meinem Leben.
 
Yoga hilft mir dabei, wieder runter zu kommen, nicht nur die Muskeln, sonder auch die Seele zu stretchen.

Ich betreibe Kraftsport. Dabei geht es um - wie der Name sagt - Kraft. Es geht darum, zäh die Zähne aufeinander zu beißen und sich durch die Sets zu arbeiten.
Wie ein Stier, der alle Grenzen überwalzt - so fühle ich mich manchmal dabei.

Yoga holt mich sanft wieder zurück. Zwar mit Anstrengung und Schweiß (so brauche ich das), aber ruhiger.
Und aus dem Stier wird eine kleine Tänzerin (sehr nett ausgedrückt - man gönnt sich ja sonst nix).

Es gibt zig Formen von Yoga. Ich habe für mich Power Yoga entdeckt. Dabei werden die Übungen schneller, dynamischer ausgeführt. Das entspricht meinem Wesen am ehesten.
Und trotz aller Power, die dahinter steckt, finde ich die Zeit, um meine Atmung wahrzunehmen, um zu spüren, welcher Muskel gerade klemmt.

Ich entschleunige.

Und gebe mir die Zeit, um mich selbst wieder zu spüren - nicht als Powerfrau, sondern als weiches Seelchen mit vielen Gedanken, die mich beschäftigen.

Gut möglich, dass viele genau aus diesem Grunde vor Yoga zurückschrecken.

Es ist viel einfacher, tough und schnell ein Krafttraining durchzuziehen, als auch mal still zu sein und über Dinge nachzudenken, die vielleicht unangenehm sind und gern verdrängt werden.

Dämonen hat jeder von uns in sich. Ist nur die Frage, wie man damit umgeht:
Verdrängt man sie, gibt man ihnen die Chance zu wachsen. Irgendwann sind sie so groß, dass sie uns über den Haufen rennen. Und wir können sie nicht aufhalten.

Stellt man sich ihnen, schaut man mutig in deren Fratzen, verlieren sie an Macht, denn sie merken, dass sie beobachtet und wahrgenommen werden. Und oftmals ist es dann so, dass sie dadurch keine Lust mehr haben, in uns zu wüten.
Gesünder für uns.
Eigentlich.

Ich liebe die Ruhe, die ich beim Yoga finde. Ich halte den Zeiger der Uhr mit meinen Übungen an. Ich atme den Stress weg.
Ich trete auf die Bremse.

Ich habe den ganzen Tag mit Menschen zu tun - ob nun im persönlichen Kontakt, oder aber über Social Media.
Ich muss Fragen beantworten, Hilfestellung geben, neue Pläne ausarbeiten. Ich muss motivieren und auch mal schimpfen.
Immer geht es dabei um andere.
Das ist gut so - das ist mein Job.
Aber ich muss aufpassen, dass ich mich dabei nicht selbst verliere.
Das macht auf Dauer krank. Man nennt es in der heutigen Zeit "Burn-out", weil man viel geben muss, viel tun muss, präsent sein muss, gut sein muss, anders sein muss, um irgendwann erfolgreich zu sein.
Beim Yoga sind alle Schotten dicht.
Es geht um mich.
End of the story.

Kleiner Nebeneffekt von Yoga: man wird beweglicher, wodurch der Bewegungsradius erhöht wird - wovon man wiederum beim Kraftsport profitiert. So kann ich beispielsweise tiefer in den Squat gehen.....hallo Popomuckis!
Außerdem fördert Yoga den schlanken Muskelaufbau. Nicht so übel.
Und Yoga ist mega-anstrengend und schweißtreibend! Wenn ich manche Posen halten soll, bezweifel ich, dass ich überhaupt Kraftsport betreibe! Die Belastung ist eine ganz andere. Der Muskel wird erneut einem fremden Impuls ausgesetzt und soll sich in Richtungen bewegen und dehnen, die unmöglich erscheinen. Aber es geht - nicht sofort, aber der Weg ist das Ziel.
That´s life ;-)

Ich bekehre niemanden zum Yoga.
Aber ich empfehle es all meinen Kunden.

Manchmal muss man etwas länger suchen, bis man seine Form des Yogas gefunden hat.
Aber es lohnt sich - das weiß ich sicher.

Let´s OMMM.......


Kommentare:

  1. Liebe Anne,
    deine Worte haben mich ganz tief im Inneren berührt. Ich hatte beim Lesen Tränen in den Augen. Es steckt soooo viel wahres in deinen Zeilen!! Ich sollte mir auch mal wieder Zeit für mich nehmen, entschleunigen und nur noch Leute in meinem Leben lassen die mir gut tun.
    Danke! Und ich werd jetzt wieder regelmäßig zum "Let's OMMM..." <3

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Freut mich, wenn ich Dich etwas geommt habe ;-)

      Löschen

 
Copyright 2015 © Lean & Mean Poet | Design by MiraDesigns | Impressum